Mischtechnik auf Leinwand 38 x 38 x 2 cm
Alice`s Hase (2026) von Reinhard Riedel
Online seit 05.09.2026
Wertangabe: 600,00 €

#Malerei #phantastischer Realismus #Mythologie #Tiere

Anders als die frontalen Tierporträts der Serie zeigt dieses Werk einen Hasen im reinen Profil, den Kopf leicht erhoben, ein Ohr steil aufgerichtet in den oberen Bildraum ragend. Diese Profilansicht mit dem klar konturierten, spitz zulaufenden Kopf erzeugt eine ruhigere, weniger konfrontative Bildwirkung als die direkten Blickachsen anderer Arbeiten – der Hase scheint aufmerksam in den Bildraum hinein zu lauschen, nicht den Betrachter zu fixieren.


Das Werk besticht durch eine nahezu monochrome Blaupalette, die den gesamten Bildraum – Hintergrund und Fell gleichermaßen – durchdringt. Diese konsequente Farbreduktion unterscheidet die Arbeit deutlich von den farblich kontrastreicheren Porträts der Serie und erzeugt stattdessen eine kühle, fast winterliche, meditative Stimmung. Der changierende Hintergrund mit seiner wolkig-strukturierten, an Aquarell erinnernden Textur verstärkt diesen atmosphärischen, fast eisigen Charakter.


Inmitten der blauen Zurückhaltung sticht das Auge mit seiner rosa-violetten Iris und dem tiefblauen Zentrum als einziger warmer Farbakzent hervor. Dieser gezielte Kontrast lenkt die Aufmerksamkeit unmittelbar auf den wachen, glänzenden Blick und verleiht dem Tier trotz der reduzierten Farbigkeit emotionale Präsenz und Lebendigkeit.


Auf der Wange erscheint ein zartes, blau geädertes florales Muster – deutlich zurückhaltender und filigraner als die kräftigen Porzellanmuster anderer Werke der Serie. Am Übergang zu Schulter und Rücken verdichtet sich diese Musterung zu einer dichten, fast textilen Struktur aus kleinen Blüten- und Blattformen, die an gestrickten oder gewebten Stoff erinnert. Dieser graduelle Übergang von naturalistischem Fell zu ornamentaler Textur zeigt eine bemerkenswerte gestalterische Konsequenz.


Die Wiedergabe der Schnurrhaare und Wimpern besticht durch feine, präzise Linienführung, die sich klar vor dem hellen Untergrund abzeichnet. Die Fellstruktur selbst ist mit charakteristischen kurzen, gerichteten Strichen aufgebaut, die die natürliche Wuchsrichtung des Haars überzeugend nachvollziehen.


Die reduzierte Farbwelt und die stille Profilhaltung verleihen diesem Werk eine introspektive, fast poetische Qualität, die sich von der dramatischeren Bildsprache anderer Arbeiten der Serie abhebt. Die florale Durchdringung des Fells lässt sich weiterhin als wiederkehrendes Motiv der Verschmelzung von Wildheit und kunsthandwerklicher Verzierung lesen, hier jedoch in besonders zarter, zurückhaltender Ausführung.


Ein atmosphärisch stimmiges Werk, das durch seine konsequente Blaumonochromie und die stille Profilkomposition eine eigenständige, meditative Note in die Werkserie einbringt und zugleich deren charakteristisches Motiv der floralen Überlagerung in reduzierter, poetischer Form fortführt.

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