Mischtechnik auf Leinwand 38 x 38 x 2 cm
U14 (2026) von Reinhard Riedel
Online seit 03.09.2026

#Malerei #phantastischer Realismus #Surrealismus #Vögel

Das Werk zeigt den Kopf und Hals eines Truthahns in strenger Frontalansicht, dessen fleischige, gerunzelte Haut und die charakteristischen Hautlappen am Schnabel mit schonungslosem Detailrealismus wiedergegeben sind. Anders als die majestätischen Raubtier- und Vogelporträts anderer Arbeiten dieser Serie widmet sich dieses Bild bewusst einem weniger "eleganten", fast skurril anmutenden Tier – eine interessante Erweiterung des Bildrepertoires, die Schönheit und Würde nicht an konventionelle ästhetische Kriterien bindet.


Die Augen als Ausdrucksträger


Die intensiv blauen, fast durchscheinenden Augen bilden erneut – wie schon in anderen Arbeiten der Serie erkennbar – das emotionale Zentrum des Porträts. Ihr kühler, klarer Farbton kontrastiert eindrucksvoll mit der warmen, rosa-orangefarbenen Hauttönung und verleiht dem Tier trotz seiner ungewöhnlichen Physiognomie einen wachen, fast verletzlichen Ausdruck. Der leicht geöffnete Schnabel und die zur Seite blickenden Augen erzeugen eine gewisse Überraschung oder Alarmiertheit im Ausdruck.


Farbgebung und malerische Details


Die Farbpalette bewegt sich in warmen Rosa-, Orange- und Rottönen, die die charakteristische, fleischige Hautstruktur des Truthahns eindrucksvoll einfangen. Besonders die intensiven roten Farbtupfer und -spritzer im unteren Halsbereich setzen einen dramatischen, fast blutigen Akzent, der – ähnlich wie in anderen Arbeiten dieser Serie – die naturalistische Darstellung durch eine expressive, malerisch-freie Geste durchbricht.


Ein besonders reizvolles Detail ist die gelb-weiße Perlenkette, die sich um den unteren Hals des Tieres legt. Dieses dekorative Element – vergleichbar mit den floralen Überlagerungen und Ornamenten anderer Werke der Serie – verleiht dem eigentlich "unwürdigen" Tier eine unerwartete, fast ironische Kostbarkeit und Würde.


Technik und Hintergrundgestaltung


Die feine Wiedergabe der genarbten, warzigen Hautstruktur zeugt von großer technischer Sorgfalt, während der geometrisch geprägte, changierende Goldhintergrund erneut die charakteristische Bildsprache der Serie aufgreift. Die diagonale Farbteilung des Hintergrunds – silbrig-golden links, rötlich-bronzefarben rechts – setzt zusätzliche kompositorische Spannung.


Interpretation


Die Kombination aus schonungslosem Realismus und der schmückenden Perlenkette lässt sich als humorvoller, aber liebevoller Kommentar zur oft unterschätzten Würde vermeintlich "hässlicher" oder alltäglicher Tiere lesen – ein Gegenentwurf zur Serie der majestätischen Raubtiere, der zeigt, dass individuelle Persönlichkeit und Ausdruckskraft nicht an klassische Schönheitsideale gebunden sind.


Fazit


Ein technisch präzises und konzeptuell überraschendes Werk, das durch die Verbindung von ungeschöntem Detailrealismus und dem dekorativen Perlenschmuck eine originelle, humorvoll-liebevolle Note in die Werkserie einbringt und dabei die Fähigkeit beweist, auch unkonventionellen Sujets Würde und visuelle Kraft zu verleihen.

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